Stellungnahme zu den geplanten Kürzungen der Fördermittel: Der Haushaltsentwurf gefährdet die Zukunft der Wasserstoffindustrie

18. Juli 2025 Stellungnahmen

Die geplanten Haushaltskürzungen gefährden den Wasserstoffhochlauf – und damit die Zukunft der deutschen Wasserstoffwirtschaft. Jetzt braucht es politischen Willen statt Rückschritt.

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In Ihrem Koalitionsvertrag sprechen sich Union und SPD für einen schnellen Wasserstoffhochlauf aus. Als Vorgabe wurde festgehalten, dass Deutschland eine führende Rolle in einer europäischen Wasserstoffinitiative einnehmen soll. Wir begrüßen dieses Bekenntnis der Koalitionäre zur forcierten Entwicklung der deutschen Wasserstoffwirtschaft ausdrücklich. Ebenso begrüßen wir die im Koalitionsvertrag formulierte Zielsetzung, Wasserstofferzeugung sowohl über große systemdienliche Elektrolyseanlagen als auch verstärkt dezentral und flächendeckend zu ermöglichen.

Umso mehr enttäuscht uns deshalb die jüngste Entwicklung. Die Bundesregierung plant im Bundeshaushalt 2025 sowie beim Klima- und Transformationsfonds deutliche Kürzungen bei der Förderung des Wasserstoffhochlaufs – insbesondere bei der Dekarbonisierung industrieller Prozesse.

Die Mittel zur Förderung des industriellen Wasserstoffeinsatzes sinken um über 500 Millionen Euro auf 718 Millionen Euro. Zwar bleibt der Haushaltsansatz für die Nationale Wasserstoffstrategie 2025 stabil bei 500 Millionen Euro, doch langfristig sind drastische Einschnitte vorgesehen: Statt 3,7 Milliarden Euro bis 2030 sollen nur noch 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Besonders gravierend sind die Kürzungen bei der Dekarbonisierung der Industrie – hier sinken die Verpflichtungsermächtigungen bis 2045 von 24,5 Milliarden auf 1,8 Milliarden Euro.

Die Power to X Allianz – ein Zusammenschluss führender Industrieakteure und Verbände – warnt eindringlich: Ohne ausreichende Förderung fehlen die Investitionsanreize, steigen die Risiken für Pioniere ins Unkalkulierbare, und geraten Milliardenprojekte ins Wanken. Wer jetzt grüne Moleküle verfügbar macht, zahlt doppelt: mit Vorleistung und wachsender politischer Unsicherheit.

In der Power to X Allianz versammeln sich Unternehmen und Verbände, die mit PtX-Projekten einen Beitrag zu Versorgungssicherheit und Klimaschutz leisten wollen. Aus den Praxiserfahrungen auf diesem Feld geht hervor, dass gerade in der Frühphase des Markthochlaufs von grünem Wasserstoff und PtX-Technologien hohe Anfangsinvestitionen, lange Amortisationszeiträume und regulatorische Unsicherheiten zentrale Hürden darstellen.

PtX-Technologien sind Zukunftstechnologien, bei deren Erforschung und Erprobung Deutschland gute Startbedingungen ausspielen konnte. Durch eine systemdienliche Fahrweise leisten Elektrolyseure zudem einen Beitrag zur Gesamteffizienz des Energiesystems. In einem zunehmend erneuerbaren Stromsystem dienen sie als Speicher für grünen Strom und machen ihn in Form von grünen Molekülen in den Sektoren Industrie, Verkehr und Wärme nutzbar. Die Bundesregierung sollte auch den Markthochlauf dieser Technologien entschieden weiter unterstützen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts in diesen Sektoren zu erhalten. Den Bekenntnissen zur Transformation der Industrie müssen nun entsprechende Taten folgen, um die wirtschaftliche Machbarkeit von PtX-Projekten sicherzustellen.

Unternehmen, die jetzt in Wasserstoff und PtX-Technologien investieren, gehen hohe Risiken ein und tragen die Pionierkosten der Transformation. Ohne wirksame Förderung und effektive Instrumente zur Absicherung bleiben Investitionen aus – letztendlich droht ein signifikanter Rückschritt im Aufbau der heimischen Wasserstoffwirtschaft.

Bereits erprobte Instrumente wie H2 Global, die Europäische Wasserstoffbank oder der von der Power-to-X-Allianz vorgeschlagene Hochlauffonds, zeigen, dass es markttaugliche Lösungen gibt. Jetzt braucht es politischen Willen und finanzielle Rückendeckung.

Wir appellieren an den Haushaltsgesetzgeber: Sichern Sie den Wasserstoffhochlauf politisch wie finanziell ab – nicht irgendwann, sondern jetzt. Die Transformation duldet keinen Aufschub. Wir möchten Sie daher herzlich einladen, mit uns über die notwendigen politischen Anpassungen zu sprechen, damit Deutschland Wasserstoffland bleiben kann.